Es ist und bleibt Arbeit.


Hallo Reader

Bei meinen Vorträgen zeige ich gerne die untenstehende Grafik: Sie zeigt, wie der Einfluss verschiedener Aktivitäten auf das wahrgenommene Glücksgefühl («happiness») ist. Je weiter der Balken nach rechts zeigt, desto glücklicher machen diese Tätigkeiten. Balken nach links zeigen einen negativen Einfluss.

Ich verpixele jeweils die 39 Tätigkeiten und lasse das Publikum raten, wo in der Liste sich Arbeiten befindet. Da ich meistens zu Führungskräften spreche, lautet die Antwort ausnahmslos: Im oberen Drittel oder sogar ganz oben. Wenn ich dann aufdecke, dass Arbeit an zweitletzter Stelle kommt, ernte ich irgendetwas zwischen Staunen und Entsetzen. Nur krank im Bett zu sein, hat einen (viel!) grösseren negativen Einfluss.

Nun ist es nicht erstaunlich, dass Arbeiten uns weniger glücklich macht als Sex, ein Konzertbesuch oder Sport. Aber dass es uns aktiv unglücklicher macht, ist erschreckend.

Landläufig herrscht die Meinung, dass Arbeit wichtig ist für unsere Zufriedenheit. Dass wir uns damit selbstwirksam fühlen, dass wir Anerkennung erhalten und stolz auf das Geleistete sind. Umgekehrt wissen wir von Arbeitslosen, dass ihnen genau diese Aspekte fehlen. Ebenso gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass Menschen arbeiten, selbst wenn sie dies nicht (mehr) müssten.

Wie kommt es also zu diesem Paradox?

Zunächst müssen wir uns glaub wieder bewusst werden, dass die allermeisten Menschen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Dies ist die primäre Motivation. Der Purpose der Organisation kann noch so gut sein. Die Tatsache, dass jemand arbeitet, hat primär damit zu tun, dass er oder sie Ende Monat die Rechnungen bezahlen muss.

Deshalb laufen auch die aktuellen politischen Forderungen nach mehr/länger/härter arbeiten ins Leere. Niemand steht am Morgen mit der Motivation auf, das BIP zu maximieren.

Ebenso wird kaum jemand davon angetrieben, den Gewinn der Firma zugunsten der oftmals anonymen Dividendenempfänger:innen zu erhöhen. Dieser Punkt geht bei Unternehmer:innen und Führungskräften mit Aktienpaketen und Bonusprogramm oft vergessen.

Persönlich finde ich «Glück» aber im Kontext von Arbeit auch ein sehr hoher Anspruch, oder?

In den letzten Jahren haben sich die Arbeitgeber gegenseitig mit immer neuen Ideen übertroffen, wie sie noch attraktiver werden können. Kein Wunder gibt es gewisse Mitarbeitende und Stellensuchende, welche das Gefühl haben, sie müssten eigentlich gar nicht arbeiten und würden trotzdem ihren Lohn erhalten.

Wir können Arbeit noch so geil machen, es bleibt Arbeit.

Denn Arbeit ist manchmal mühsam. Anstrengend. Chaotisch. Es geht etwas schief, die Kundin ist unzufrieden. Eine Lieferung kommt zu spät und bringt den ganzen Prozess durcheinander. Der Konkurrent schnappt uns einen Auftrag weg.

Und dazu kommt noch das ganze Zwischenmenschliche. Der Kollege nervt schon wieder, die Mitarbeiterin hält eine Deadline nicht ein und der Chef sagt auch nie danke, obwohl ich täglich mein Bestes gebe.

In diesem Kontext von «Glück» zu sprechen, ist wohl tatsächlich zu hoch gegriffen. Ich mache meine Arbeit sehr gerne. Aber wenn du mich mitten in einer Aufgabe fragen würdest, ob ich mich nun glücklicher fühle als heute früh nach dem Aufstehen, würde ich wohl auch nicht unbedingt mit «ja» antworten.

Aber wir müssen Arbeit nicht noch zusätzlich verschlimmern…

Wir müssen arbeiten und oftmals ist Arbeit mühsam. Das kann auch die beste Führungskraft nicht ändern. Aber umso mehr sollten wir dafür sorgen, dass wir unseren Teams drumherum die bestmöglichen Rahmenbedingungen bieten.

Dass die Mitarbeitenden arbeiten müssen, ist ein Fakt. Was sie arbeiten, entscheiden die Mitarbeitenden. Die Führungskräfte hingegen können beeinflussen, wie die Mitarbeitenden arbeiten können.

Vielleicht interessiert dich in diesem Zusammenhang unser Insights Report zu den Best Workplaces in Switzerland 2026. Unser Team hat die Daten von 303 Organisationen und 51’038 Mitarbeitenden analysiert und vier zentrale Themenfelder identifiziert.

Viele Grüsse,
Patrick

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