Wenn Chefs Teilzeit arbeiten, heisst es «Fractional Leadership»...


Hallo Reader

Drüben auf LinkedIn habe ich darüber geschrieben, dass ich während dem Homeoffice Croissants gebacken habe und gefragt, ob ich deswegen ein schlechter Mitarbeiter sei. Der Post hat einiges an Feedback ausgelöst, konkret über 1'100 Reaktionen und über 300 Kommentare und über 300'000 Leute haben den Post bislang gesehen.

Dann habe ich mich mit dem Experten Veit Hailperin über Arbeitszeitverkürzung im Allgemeinen, die 4-Tage-Woche im Speziellen sowie über Fortschritt und Wohlstand diskutiert. Das Gespräch gibt es auf Spotify zum Hören und auf YouTube zum Schauen.

Heute möchte ich dir aber das Konzept «Fractional Leadership» erklären (und warum ich ein Problem damit habe):

Teilzeit? Hmm...

Wir alle kennen die Vorbehalte gegenüber Teilzeit-Mitarbeitenden: Ihnen fehlt das Commitment, «all-in» für die Firma zu gehen. Sie sind mühsam zu koordinieren und nie da, wenn man sie braucht. Deshalb werden sie weniger oft befördert, denn schon ein 90-Prozent-Pensum halbiert die Karrierechancen. Und als Führungskraft Teilzeit zu arbeiten, ist sowieso ganz schwierig. Deshalb arbeiten weniger als 20% der Führungskräfte Teilzeit.

Was ist Fractional Leadership?

Aber lasst uns der Idee, dass Führungskräfte Teilzeit arbeiten, doch einfach einen fancy Titel geben. Willkommen bei «Fractional Leadership»!

Auf LinkedIn gibt es bereits über 170’000 Leute, die sich als Fractional Leader bzw. Fractional Executive/CFO/COO/etc. bezeichnen. Davon sind mehr als 2’500 im DACH Raum zuhause. Auch renommierte Magazine wie die Harvard Business Review und Forbes haben das Thema bereits aufgegriffen.

Doch was ist Fractional Leadership? Genau das, wonach es klingt: Führungskräfte, die Teilzeit arbeiten. Unternehmen stellen nicht mehr einen Vollzeit-CTO ein, sondern die Person arbeitet z.B. nur 2-3 Tage pro Woche. Für ein Unternehmen bietet dies die Möglichkeit, sehr erfahrene Top-Executives zu engagieren, welche es sich sonst vielleicht nicht leisten könnte. Im Unterschied zu einem Consultant arbeiten Fractional Leaders längerfristig und nicht nur projektbezogen für ein Unternehmen und sie übernehmen eine operative Verantwortung.

Spannend sind aber vor allem die Beweggründe der Führungskräfte, weshalb sie sich auf so ein Modell einlassen. Diese berichten nämlich, dass sie genug von Corporate Jobs haben und mehr Flexibilität wollen. Sie nehmen oftmals sogar das Wort «Work-Life Balance» in den Mund.

Ich finde das gelinde gesagt heuchlerisch: Wenn gewöhnliche Mitarbeitende Teilzeit arbeiten, müssen sie sich rechtfertigen und sie haben Nachteile im Job. Wenn es die Chefs machen, erfindet man einen fancy Titel und es werden Artikel in Managementmagazinen geschrieben.

Positive Konsequenzen

Ich kann dem Ganzen aber dennoch Positives abgewinnen:

Fractional Leadership fördert Flexibilität in der gesamten Organisation. Es beweist, dass nicht jeder Job 100% Arbeitszeit beansprucht. Wenn der CFO Teilzeit arbeitet, sollte dies auch bei der Debitorenbuchhalterin gehen. Um Flexibilität wirklich in der Kultur zu verankern, benötigt es unbedingt positive Vorbilder auf C-Level.

Statt sich auf das Organigramm und die Stellenbeschreibung zu fixieren, überlegt sich das Unternehmen, welche Skills und Kompetenzen es tatsächlich braucht. Ob die richtige und passende Person Vollzeit oder Teilzeit arbeitet, wird sekundär.

Wenn die Chefin Teilzeit arbeitet, führt dies auch dazu, dass der zweiten Führungsebene und generell den Mitarbeitenden mehr Verantwortung übergeben wird. Da der Fractional Leader keine Zeit verschwenden kann, findet weniger Micro Management statt und unnötige Meetings werden eliminiert.

💭 Mein Gedankenanstoss: Ist deine Organisation bereit für Fractional Leadership? Was würde dies für eure Kultur und eure Prozesse bedeuten? Und welche neuen Karrierepfade entstehen dadurch?


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  • Workshops
  • 1:1 Coachings
  • Keynote

Ich freue mich auf deine Nachricht!

Viele Grüsse,
Patrick

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